15
Apr

Die Würde bewahren

Taqi ist fünfzehn Jahre alt, als seine Eltern sterben. Damit ist er völlig auf sich allein gestellt, als illegaler afghanischer Flüchtling im Iran. Er muss weg, aber wohin? In die Türkei. Dort schlägt er sich drei Jahre lang als Maurer, Tischler, Fabrikarbeiter durch. Und wagt schließlich ein weiteres Mal die Flucht, nach Österreich.

Seit 22 Monaten ist er nun da, und er hat die Zeit gut genützt: Jeden angebotenen Deutschkurs, das Sprachcafé, den Mathematikkurs besucht, im Diakoniewerk freiwillig in der Tischlerei und in der Gärtnerei geholfen. Er geht Volleyballspielen – montags mit den Gallneukirchnern, mittwochs mit den anderen „Linzerbergern“ – und Billard spielen. Gern würde er auch bei der Gemeinde arbeiten, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

Auch wenn vor der Flucht aus der Türkei nur ganz allgemein „Europa“ das Ziel war, ist Taqi froh, in Österreich gelandet zu sein, denn „mir gefallen die Leute und die Regeln in Österreich. Für alle gilt das Gleiche und alle denken ähnlich, das ist gut. Österreich ist ein gutes Land, und schön.“ Er möchte hier nichts geschenkt haben, er möchte arbeiten. Er möchte seine Würde bewahren.

Wenn er keine Kurse besucht, nicht arbeitet, nicht mit seinen Freunden unterwegs ist, – was macht er dann? „Kochen, putzen, waschen. Am Handy spielen. Und gerne würde ich Fußball spielen, das hat aber bis jetzt nicht geklappt.“ Nur allein und unbeschäftigt ist Taqi nicht gern. Denn dann fängt er an zu grübeln, kann nicht mehr schlafen. Er hat noch keine Einladung zum Interview am Bundesasylamt bekommen und schlimme Albträume, dass er nicht in Österreich bleiben darf. Was wäre die Folge? „Ich müsste zurück nach Afghanistan, von wo ich mit meinen Eltern vor fünfzehn Jahren im Alter von fünf Jahren geflohen bin und wo ich wirklich niemanden kenne, auch keine Verwandten habe. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen.“

In Engerwitzdorf hat er einen sehr engagierten Amigo, der ihn beim Deutsch Lernen unterstützt und mit dem er unter anderem die letzten Weihnachten verbracht hat. „Ich bin Moslem, aber nicht tief gläubig. Zu Weihnachten bei Hans haben wir gegessen, gespielt, Hans hat aus der Bibel vorgelesen. Das war schön. Als die Älteren in die Christmette gegangen sind, sind wir Jungen in ein Lokal gegangen, da waren auch viele andere junge Leute aus Gallneukirchen und Engerwitzdorf.“

Taqi spricht inzwischen sehr gut Deutsch, er spricht Farsi und Türkisch. Er hat mit seinen zwanzig Jahren bereits mehrere Jahre als Tischler und Maurer gearbeitet. Er hat im Iran seine Eltern versorgt und sich drei Jahre lang in der Türkei unter widrigen Umständen über Wasser gehalten.

Wie wird sich wohl sein Schicksal in Österreich wenden?

 

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