10
Nov

Ein verlässlicher Partner

„Vom Keller bis zum Dach ein verlässlicher Partner.“ – Damit wirbt die Baufirma Kapl, und als verlässlicher Partner hat sie sich nun auch in der Maurerlehre für Ali Reza erwiesen, einen jungen Afghanen, der am Bau nur ein großes Problem hat: den Mühlviertler Dialekt.

Ali Reza kam vor zwei Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus dem Iran, wohin er aus Afghanistan mit seiner Familie geflüchtet war, nach Österreich. Er gehört der Minderheit der Chazarer an, einem ursprünglich als Nomanden lebenden Turkvolk, das sowohl in Afghanistan als auch im Iran verfolgt wird. „Damit ich im Iran eine Schule besuchen konnte, mussten meine Eltern viel Geld zahlen. Ab dem 8. Lebensjahr habe ich in den Ferien und am Nachmittag nach der Schule am Bau gearbeitet, um Geld für die Schule zu verdienen“, erinnert er sich zurück. Nachsatz: „Ich habe nie Zeit zum Spielen gehabt“…

Die Arbeit als Maurer hat Ali Reza aber immer Freude gemacht, daher war es eigentlich naheliegend, diesen Beruf gründlich zu erlernen und eine gute Ausbildung zu machen. Aber obwohl es für Baufirmen sehr schwierig ist, ausreichend gute und geeignete Lehrlinge zu finden, dürfen Asylwerber, die sich grundsätzlich für eine Lehre am Bau interessieren würden, dort keine „Schnuppertage“ machen. „Das gehört sofort abgeschafft“, sagt der Lehrlingsbeauftragte der Firma Kapl, Manfred Eckerstorfer. „Da Ali Reza uns beim Vorstellungsgespräch aber wirklich überzeugt hat, dass ihn dieser Beruf interessiert, und wir bei ihm eindeutig Potenzial erkannt haben, haben wir eine Ausnahme gemacht und ihn ohne das übliche Schnuppern aufgenommen.“

Und es hat sich für beide Seiten bezahlt gemacht. Denn in den ersten drei Monaten hat sich bereits gezeigt, dass Ali Reza alle Erwartungen erfüllt. „Einige der Kollegen im Team helfen ihm auch sehr bei der Ausbildung, genauso wie auch den österreichischen Lehrlingen“, sagt Eckerstorfer. Aus seiner Sicht ist es sehr wichtig, dass der unmittelbar Vorgesetzte eine positive Einstellung hat und sich auch darauf einlässt, dass da ein Lehrling aus einem anderen Kulturkreis und anfänglich vielleicht mit gewissen Verständnisproblemen ins Team kommt. Dies wurde vorab mit dem Polier besprochen, der es auch den anderen Mitarbeitern kommuniziert hat.

Ali Reza, der noch keinen Asylbescheid hat, ist froh, dass er nun selbst Geld verdient. Er konnte in eine Wohngemeinschaft ziehen, wo er ein Zimmer für sich hat: „Es geht mir ganz gut. Ich habe ein paar gute Freunde, Österreicher und Afghanen. Und in der Arbeit gefällt es mir auch gut.“

Anfangs besuchte Ali Reza nach der Arbeit noch einen Deutschkurs, seit Mitte November drückt er die Schulbank in der Berufsschule. Freilich – Mühlviertlerisch wird er dort wohl auch nicht lernen…

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