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Mrz

„Im Jahr 2004 war Ghorzang 22 Jahre alt“

Die Familie Zeinhofer – die pensionierten Eltern und vier erwachsene Töchter – ist in vielerlei Hinsicht engagiert. Sie sind Amigos von drei Afghanen vom Linzerberg, und Vater Engelbert hat schon zu Beginn der Flüchtlingswelle 2015 beschlossen: „Wenn die nach Engerwitzdorf kommen, dann möchte ich sie in Deutsch unterrichten“. Dabei hat er in den letzten eineinhalb Jahren Erfolgserlebnisse und kleine Enttäuschungen erlebt.

Gleich zu Beginn, noch in der Klammmühle, wurden die Flüchtlinge auf ihren Bildungsstandard getestet und in drei Gruppen zu jeweils 15 Personen eingeteilt. Jede Gruppe hatte dreimal die Woche eineinhalb Stunden Deutsch-Unterricht. Diesen Unterricht gestaltete ein Kernteam von zehn bis zwölf Ehrenamtlichen, die zusätzlich auch ein Sprachcafé für die Asylwerber anbieten. Zeinhofer koordiniert das Team und hat eine der Gruppen auch selbst unterrichtet.

Die Situation durch die Übersiedlung der Asylwerber von der Klammmühle auf den Linzerberg hat sich etwas verändert: „Manche wollten dann lieber in die Deutsch-Kurse in Gallneukirchen oder nach Linz wechseln, sodass wir derzeit nur mehr eine Gruppe bei uns unterrichten.“ Bei den Afghanen macht der Anteil an Analphabeten unter den Asylwerbern etwa ein Drittel aus. „Die meisten anderen haben Koranschulen besucht. Da haben sie zwar alles über den Koran gelernt, aber wenig Allgemeinbildung mitbekommen. Und wir mussten feststellen, dass durchgängig große Defizite in der Mathematik bestehen“, sagt Zeinhofer. Weshalb im Februar ein neues Projekt startete: Mathematik-Kurse. Vier Leute unterrichten einmal wöchentlich eine Gruppe von vier bis sieben Asylwerbern. „Die Besseren können multiplizieren und dividieren. Für mich war es überraschend zu sehen, dass sie hier eine etwas andere Technik haben als wir, die aber natürlich genauso gut funktioniert“, sagt Zeinhofer.

Seine größten Erfolgserlebnisse beim Unterrichten der Asylwerber hat er, wenn er merkt, dass sie von sich aus auch außerhalb des Unterrichts lernen und fleißig dahinter sind. Kleine Enttäuschungen gibt es natürlich auch, „wenn manchmal nur wenige Asylwerber in den Unterricht kommen. Trotzdem habe ich bis jetzt mein Engagement nie bereut, auch die Stimmung in der Gruppe der Freiwilligen war und ist immer sehr gut.“

Allerdings ist bei den Asylwerbern eine leicht ansteigende Frustration zu bemerken, da viele noch immer kein Gespräch am Bundesasylamt hatten und die lange Wartezeit einfach zermürbend ist.

Einer der Amigos der Familie Zeinhofer, Ghorzang aus Pakistan, war in seiner Heimat Taxifahrer und wünscht sich nichts mehr, als in Österreich Lastwagen fahren zu können. Deshalb ließ Zeinhofer nun seinen Führerschein übersetzen und staunte darüber, wie dort das Alter angegeben ist: „Im Jahr 2004 war Ghorzhang 22 Jahre alt“.

Was zu einem heiklen Thema führt: das Zeitverständnis ist in der Kultur vieler Asylwerber einfach anders als bei uns, Zeit ist nicht so wichtig und auch wenn ein Termin fix ausgemacht ist, wird hier doch oft ein großer Spielraum eingeräumt. „Darüber denke ich jetzt manchmal nach“, sagt Zeinhofer, „denn in meiner aktiven Zeit als Landesbeamter war Pünktlichkeit für mich oberstes Gebot. Heute frage ich mich manchmal, ob das eigentlich wirklich so wichtig ist.“

Im Bild rechts Ghorzang, beim Deutsch-Lernen mit anderen afghanischen Asylwerbern.

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